Slammen bis der Bus kommt! – BBS 2012

Slammen bis der Bus kommt!

Leitartikel fürs BusBimSlam-Themenheft 2012 von der Literaturzeitschrift „&radieschen„.
Von Mieze Medusa.

Poetry Slam – what’s that?
Beginnen wir bei den Basics, wer sich auskennt, darf diesen Absatz überspringen: Ein Poetry Slam ist ein Wettlesen um die Gunst des Publikums. Es gibt ein Zeitlimit, es werden eigene Texte vorgetragen. Es gibt eine Bewertung, aber das wollen wir nicht überbewerten. Der Wettbewerb ist dazu da, um das Publikum an die Texte zu binden, um die Bühne sexy zu machen, um für Aufmerksamkeit und Euphorie und gute Laune zu sorgen. JedeR, der schon mal zu einem Poetry Slam gegangen ist, weiß: Das funktioniert.
Ein Poetry Slam kann überall stattfinden: in einer Bar, in einem Theater, in einem Seminarraum, in einem Boxring, in einem Fußballstadion, in einem Wohnzimmer, im Fernseher, im Radio oder eben auf der Straße.

Bim gleich da!
Der BusBimSlam stellt die PoetInnen und deren Texte mitten in den öffentlichen Raum. Von 1. bis 23. Juni wird in jedem Wiener Gemeindebezirk geslamt. Die Orte haben wir liebevoll ausgesucht: Wir slammen direkt an den Verkehrsknotenpunkten, also dort, wo die WienerInnen auf den Bus oder auf die Bim warten. Wir stellen uns vor die Hochkultur (vor dem Burgtheater) und tauchen tief in die Peripherie ein (Maurer Hauptplatz, Floridsdorf und Simmering). Es gibt ein Zeitlimit, aber ein variables. Normalerweise wird bei Textbeginn auf die Stoppuhr gedrückt und dann hast du 5 Minuten Zeit. Nicht so beim BusBimSlam. Die Öffis sind die Stoppuhr. Spontanität wird großgeschrieben, die TeilnehmerInnen müssen auf das reagieren, was in der Stadt so passiert. Auf das Laufpublikum, auf die Verkehrssituation. Beim BusBimSlam geht es um Begegnung. Um die Begegnung der Poetry SlammerInnen mit der Stadt und auch um die Begegnung der Stadt mit Poetry Slam.
„Kann das denn überhaupt funktionieren?“, fragen sich jetzt einige und ich habe das auch gefragt, als mich El Awadalla, BusBimSlam-Mastermind, letztes Jahr zum 1. Bus Slam in Wien Mariahilf eingeladen hat. Ich war nicht ganz davon überzeugt, dass das klappt, aber hatte natürlich Lust, es auszuprobieren und hab die Moderation übernommen. Und es war toll! Die Menschen bleiben stehen, der Bus kommt oder kommt nicht oder kommt später, weil ein Auto grad ausparkt und so den PoetInnen noch ein paar Extrasekunden verschafft. Poetry Slam im öffentlichen Raum macht Spaß. Vor allem bei Schönwetter. Und bei Schlechtwetter wandert der BusBimSlam ohnehin in die Schlechtwetterausweichlokale. Wenn du jetzt Lust bekommen hast: Bei jedem BusBimSlam gibt es vier gesetzte PoetInnen und vier Slots für Menschen mit eigenen Texten, die einfach vorbeischauen und Lust haben, sich auszuprobieren!

Was ist Elite, wer ist das Volk.
Ein Poetry Slam ist ja ein Abend von, für und mit dem Publikum. Doppelfunktionen sind erwünscht: Schau nicht nur zu, mach auch mit oder nimm dir Jurykarten oder veranstalte nach einem Text, der dich gerockt hat, ein Klatsch- und Pfeifkonzert. Es geht darum, sich auszuprobieren, sich zu verbessern, es geht um Exzellenz beim Poetry Slam. Es geht aber nicht darum, sich besser zu fühlen, es geht nicht um Elite. Wer sich den anderen PoetInnen überlegen fühlt, hat schon verloren, wer sich dem Publikum überlegen fühlt, der braucht gar nicht erst anfangen.

Schreib (k)einen Slam drüber!
Eins noch: Szene-Neulinge outen sich mit Fragen á la „Worum geht es bei deinem Slam?“ oder mit der Ansage „Schreib doch einen Slam über …“ unfreiwillig selbst. Man kann keinen Slam schreiben. Man kann einen Slam veranstalten, man kann an einem Slam teilnehmen und man kann einen Slam gewinnen. Aber geschrieben wird ein Text. Ein Slamtext, von  mir aus, aber sicher kein Slam. Denn darum geht es beim Poetry Slam: um Texte, um selbstverfasste Texte, um raffinierte Texte, um lustige Texte, um Texte jeder Gangart (verspielt, gerapt, gereimt, zum Nachdenken anregend, geschrien oder geflüstert). Um deine Texte. Komm vorbei, dein Text kommt an!

Wo wird geslamt?
6 monatliche Poetry Slams gibt es, meines Wissens, zur Zeit in Wien. Textstrom Poetry slam im rhiz, Wos host gsogt Dialekt Poetry Slam im Tschocherl, D.T.S. Poetry Slam im Lokativ, Slam B im Literaturhaus, Poetry Slam Cup im Cafe Prückl, Poetry Slam Shows im Burgtheater Kasino und zusätzlich noch jede Menge Einzelinitiativen, zB den Lustspielhaus Slam mit internationaler Starbesetzung am 16. Juni 2012.
Es aber nicht nur in Wien geslamt! Der monatliche Bäckerei Poetry Slam in Innsbruck hat 10 Jahre auf dem Buckel und ist damit dienstältester Poetry Slam in Österreich. Dann gibt’s noch Stromboli Slam in Hall, PostSkriptum in Linz, den Minoriten Slam und den Kombüsen Slam in Graz, den LE-Slam in Leoben, den ARGE Nonntal Slam in Salzburg, Jam on Poetry und Kampf der Dichter in Dornbirn und regelmässig Poetry Slams in St. Pölten, Aich Assach, beim Poolbar und Seewiesen Festival. Und natürlich die Drama-Slam, ein Slamformat für Theaterfans, aber das führt hier zu weit, das kann man auch googeln!

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