Das war der 8. BusBimSlam am 8. im 8. um 8!

Vom Prater bis zum Westbahnhof fährt die Linie 5 und brachte 17! Poetinnen & Poeten aus Argentinien, Bosnien – Herzegowina, Deutschland, Großbritannien, Ungarn und sogar Tirol im Samstag Hauptstadtabendprogramm, zum 8. BusBimSlam 2013, an die Ecke Josefstädter Straße/Albertgasse, zu einer Zeit, in der dort normalerweise schon die Gehsteige hochgeklappt werden.

Doch alles der Reihe nach. Ein wunderschöner Frühsommerabend im 8. Wiener Gemeindebezirk, im berühmten Cafe Hummel feiern schon seit Stunden einige Slam Poetinnen & Poeten einen gelungen Uniwienslam, welcher am Nachmittag im Arkadenhof der Hauptuni unter der Leitung von MC Markus Köhle ein begeistertes Publikum gefunden hatte.

Fast zeitgleich um 19:30 treffen Astrid von den Heavy-Pedals mit dem Slamequipment und der BusBimslammaster Jimi Lend mit den drei weiteren geladenen Dichtern ADMC, dem Punkpoeten Freespirit und dem Magyaren Angyal Gyula auf der dem Cafe gegenüberliegenden Gehsteigkante aufeinander und richten sich für eine flotte Auseinandersetzung ein. Um 19:45 zählt Jimi schon 12 Teilnehmer_innen auf seiner Liste und sieht ob der perfekten Bedingungen keinen Grund, nicht auch noch die Startnummern 13, 14 & 15 frei zu geben. Ein kleiner Mikrophontest zur selben Zeit bringt eine Anwohnerin auf den Plan und dazu sich auf die Straße herabzulassen, um noch vor dem ersten Wettbewerbstext, ihre Bedenken, hinsichtlich der Ruhe in ihren vier Wänden, kund zu tun. Jimi nutzt die Gelegenheit für ein kleines Plauscherl und zerstreut die Befürchtungen der Eingeborenen mit der Geste die mobile BusBimSlamlautsprecherbox ein wenig aus der Richtung der sich akkustisch angegriffen Fühlenden zu drehen. Um Punkt acht haben sich auch schon 4 Jurymitglieder im entspannteren Publikum gefunden und Jimi pegelt sie mit seinem Sonnett I auf zwölf Punkte ein. Im Zuge der folgenden Auslosung durch Glücksfee Uschi, die die Namen aus dem Hut des Punkpoeten Freespirit zieht, füllt sich die Teilnehmer_innenlistenseite auf dem Slammasterklemmbrett schon bis zum letzten Platz, als sich im allerletzten Moment die daherradelnde Judith Panther und im allerallerletzesten Moment auch noch Stefan Abermann der Sieger des Uniwienslams als die Startnummern 16 & 17 eintragen lassen.

Die wenig geliebte Startnummer 1 geht an ADMC den Rapper und Veranstalter der Luftbad Freestylesessions (immer Freitags) der im Sprechgesang den Spagat wagt, sich nicht als Retter aufzuspielen und doch die Masse zu bewegen.

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Als 2. Andi Pianka, den Host des Celeste Open Mikes (jeder 3. Dienstag im Monat) mit jenen Wortkaskaden, die er rund um die Burg für den 1. BusBimSLam geschrieben, aber dort mitzunehmen vergessen hatte und die unter anderem Blöcke, die Vogue und den Blutdruck beinhalten.

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Die Nummer 3 geht an den Slammaster des legendären Innsbrucker Bäckerei Poetry Slams (immer am letzten Freitag eines Monats) und Hans Slams in allen Gassen Markus Köhle. Er teilt das Publikum in zwei Hälften, indem er es als Chor für seinen ABC Walzer Kanon einsetzt, den dieses mit viel musikalischem Gespür und Enthusiasmus umsetzt.

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Die erste Abstimmung mit 4 Jurywertungen, wobei die niedrigste
immer gestrichen wird, ergibt 9, 12 & 13 Punkte und grossen Applaus für die Autoren und nicht für die Wertung.

Ein freundlicher älterer Herr, der aufgrund seiner buntbesprenkelten Hosen vielleicht als Maler auszumachen ist, betrachtet sich die BusBimslamlautsprecherbox aus der Nähe und als Jimi fragen will, was er denn suche, spricht er plötzlich nur noch unverstärkt, denn der Josefstädter betätigte wacker den Ausschalteknopf. Mit Astrids Hilfe lässt sich die Box schnell wieder einschalten und Lend ist derart in Staunen über die Intervention der Bildenden Kunst versetzt, dass er mit einem leisen Danke, das Buch entgegennimmt, welches ihm der Aktionskünstler aus dem offenen Bücherschrank, der den Slamschauplatz markiert, reicht.

Da wirft sich schon die Rapperin und Textstrompoetryslammasterin (jeder letzte Mittwoch eines Monats im rhiz) Mieze Medusa in die Schlacht und präsentiert, nach anerkennenden Worten für den Intervenisten, der sich noch eine kleine Weile demonstrativ im Bücherschrank zu schaffen macht, mit fetten Rhymes und funky Breaks ihren Text ‚Perplexis Mobile‘.

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Auf den Funk folgt der nach Wien emigrierte Franke Osama mit einer Traumreise, die uns eine neue Welt zeigt, in der es unter anderem ein Sommerfest ohne Zelt gibt.

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Die Startnummer Sechs geht an den bosnischen Grazer Mario Tomic, der mit gekonntem Beatboxintro ebenso zum Träumen, zum Beispiel vom Anbau des eigenen Kakaos, einlädt.

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Schon während dieses Textes wird Jimi von zwei hübschen Politessen auf ein kleines Gespräch eingeladen. Die Hüterinnen von Recht und Ordnung hatten gerade auf der Verkehrsinsel in Mitten der Albertgasse einem am Slam nicht beteiligten Straßenschläfer wieder auf die Beine geholfen und bekamen im selben Moment einen Anruf, der herausfinden wollte, wer denn da die heilige Josefstadtruhe störte. Als Jimi am Ende von Tomics Text noch nicht wieder am Platz ist, um das Voting einzuhohlen, springt der Routinier Markus Köhle in die Presche und unterhält das verwirrte Publikum so lange bis Lend sich einen Moment aus dem Verhör freikämpfen kann, um seinen MC-pflichten nachzukommen. Das Voting bringt 13 Punkte für die Medusa, 14 für Osama und 14,5 Punkte für Mario Tomic. Jimi verabschiedet sich vorsichtshalber schon mal von seinen Zuhörerinnen und Zuhörern und gibt das Mikrophon an Pascal, Slammaster des neuen Loftslams weiter, während er von den bezaubernden Uniformierten seine Daten aufnehmen lässt und die Rechtmäßigkeit seiner Veranstaltung erläutert. So verpasst er leider die Essenz der Pascal’schen Texte, kann aber die ihre Pflicht tuenden beruhigen und seinerseits seine moderatorischen Aufgaben wieder wahrnehmen.

Gerade rechtzeitig um die Bühne für den extra aus Szigetszentmiklós angereisten Angyal Gyula, Host der Astoria Slam Poetry Reihe in Budapest, frei zu geben. Der Magyar ist frisch verliebt und widmet seinen zweisprachigen Vortrag seinem Girl Rósza. Ein Text der uns die Leidenschaft und den Paprika der Liebenden in der ungarischen Tiefebene näher bringt.

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Mit Startnummer 9 steht dann der Londoner Punkpoet Freespirit, Host der Open Strage im Celeste (jeden Dienstag) auf der Straßenbühne. Er erzählt uns warum die Murstadt Graz gut für alle ist und die von aufputschenden Amphetaminen wegkommen wollen und präsentiert im Folgenden seinen Text „Amphetamin“ der von der Zeit davor handelt.

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Diese drei Vorträge werden mit 13,5, 12 und 13 Punkten belohnt.

Den 4. Dreierblock eröffnet der Josefstädter Lokalmatador Andi Plammer (ALSO Literatur jeden Sonntag im Café Anno) mit seinem wortspielrehichen ‚In Dubio Pro Reh‘. Die Rehaktion auf diese rehmantische Rehelegie kann durchaus als errehgt beschrieben werden.

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Adina, die sich schon auf einigen BusBimslams bemerkbar machen konnte sucht im Folgenden nach Momenten der Weite und Momenten der Nähe

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und, als schon die Dunkelheit hereinbricht über der Joe-city, präsentiert uns Mrrri Mrrri einige kurze skurille Texte als Kleinodien erwachenden Dichtergeistes.

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Die Vorträge sind dem Publikum 14¼, 14¼ & 11,5 Punkte wert. Die Viertelpunkte ergeben sich aus der nur von einer deutlichen Minderheit der Zuseher eingeforderten Extrapunkte.

Georg Harlekin wirft sogleich als Startnummer 13 mit zakkazakkabumbum aufgehellte Schlaglichter auf die Gesellschaft

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und wird durch das Eintreffen der Bim vom Vortrag eines weiteren Textes abgehhalten,

bevor Christian ‚Schreibi‘ Schreibmüller, der Mitveranstalter der Lesungsreihe im Cafe Amadeus und des Tmbh Open Mikes (jeden letzten Montag im Monat im Headquater), uns in breitem Wiener Dialekt vom einen und vom anderen erzählt.

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Als Dritte in der Runde erleben wir die argentinische Josefstädterin Yasemin, die sich ihre Gedanken über das Wechselspiel von Politik und Kapital macht.

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12, 15! & nocheinmal 12 Punkte ergibt die Bewertung dieser Runde.

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit verabschiedet sich jenes Jurymitglied, dass sich in den ersten fünf Runden mit Niedrigstwertungen bemerkbar gemacht hat, und gibt die Tafeln an freundlich gesinntere Zuhörer weiter, denn noch haben wir zwei Poet_innen nicht gehört.

Judith Panther, die im letzten Jahr noch nicht drankommen war, ist diesmal gerade noch rechtzeitig gekommen und begeistert mit ‚Kalter November‘ und weiteren Anlaßgedichten, die sich unter anderem mit Skandalen der österreichischen Exekutive der letzten Jahre auseinandersetzen und sorgt für späte Momente der Ruhe,

judithrichter

bevor sich der Tiroler Hengst ohne Reiter schlicht mit „Sex“ ein weiteres Höchstvoting erdichtet.

stefanabermann

12 & 15 Punkte sind die Endsummen der letzteingefordenden Jurytafelwertungen, denn über das Finale soll die Lautstärke der Stimmen und des Applauses entscheiden. Noch einmal soll die Josefstadt erstaunen über den Klang des Beifalls der vielköpfigen Schar.

Um Punkt 21:45 beginnt das Dreierfinale für das unabhängig vom Bimverkehr ein Vortragszeit von fünf Minuten einberaumt wird.

Als erster ergreift Schreibi das Wort. Da die Straßenlampe über dem Slamschauplatz ‚zufällig‘ als einzige weit und breit, nicht funktioniert, greift der Herrgott aus Neubau auf sein legendäres Finaltrio mit ‚Erspart mir Bitte die Details‘, ‚Mei Oide‘ und ‚Der Rap‘ zurück und begeistert.

Hernach Stefan Abermann, der Wortforscher, der uns detailreich die semantische Schönheit der Rohlingsspindel sowie den praktischen Nutzen der Schwimmwindel erläutert.

Zuletzt Mario Tomic mit Nachrichten aus der Zukunft in der er unter anderem mit seiner Ausländerhaftigkeit einen rechten Recken zur Strecke bringt.

Alle drei stellen sich einem Applausbattle, der wahrscheinlich heute noch durch die ehrwürdigen Josefstädter Gassen hallt.

Das Ergebnis? Ein großer Tag für die Kunst im öffentlichen Raum, für das freie Wort in freien Straßen, für die unkomplizierte Auseinandersetzung mit den Behörden, für die ‚klassischen‘ Josefstädter, die sich selbst ins Rampenlicht rückten und nicht zuletzt für den BusBimSlam, der einen neuen Teilnehmer_innenrekord verzeichnen konnte.

Also gut! STEFAN ABERMANN gewinnt knapp vor MARIO TOMIC und CHRISTIAN ‚SCHREIBI‘ SCHREIBMÜLLER. Gratulation allen, die sich der Dichter_innenschlacht gestellt haben. Danke den Heavy Pedals, den Wiener Bezirksfestwochen und dem tollen Publikum!
Wir sind Wien! Tschia!

Über jimilend

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