Maria Treu Schützt Ihre Slammers

Ein schwüler Sommerabend am Jodok-Fink-Platz, der Gastgarten des Café Maria Treu ist gut gefüllt und man amüsiert sich über die Fußballfans, die sich dank einer neuen Verordnung, die Spiele der besseren europäischen Nationalmannschaften nur noch innerhalb der Gaststätten anschauen können. Jimi Lend streift über den Platz auf der Suche nach den fahrenden Helden des ‚Wir Sind Wien‘ Teams, doch so sehr er sich seine Augen auch ausschaut, nirgends Spuren der geliebten Partner. Dafür drohende Schwarze Wolken über der imposanten Fassade der Pfarrirche von Maria Treu. Sollte er sich im Datum geirrt haben? War heute nicht der 8. 6.? War es nicht schon halb 8? und befand er sich etwa nicht im 8. Bezirk? Da, das rettende Antlitz, der sich schon am Platz im angeregten Gespräch befindlichen 8.Ureinwohnerin Yasmin Hafedh, die ihm mit wenigen Blicken bedeutet, dass die ortszuständige Bezirksfestwochenbetreuerin sich und die Tonanlage ob des nahenden Unwetters schon im Café Maria Treu in Sicherheit gebracht habe.
Diana (in Englischer Diktion) wacht im Raucherraum des Traditionscafés über die mitgebrachten Slamutensilien und Werbemitteln und freut sich leicht aufgeregt über ihren allerersten Einsatz. Die Regenvariante sei von der Überorganisation aus Rücksicht auf die technischen Geräte bereits beschlossen und auch der Außeninfostand bereits wieder verstaut worden. Doch Jimi will es nicht wahr haben. Als es kurz vor acht noch immer nicht schüttet, nimmt er den Lautsprecher unter den Arm, Diana in seinen Schlepptau und baut sich bei den schon wartenden SlammerInnen auf der linken Seite des Jodok Fink Platzes auf.

Der Kosmonaut setzt vor einem langen Sommer auf der iberischen Halbinsel zu einem letzten Landeanflug auf Wien an, Nina Malli lässt sich ihren Schilcherslamstartplatz nicht entgehen, der Südtiroler Matthias Vieider gibt sich nach langer Slampause nach dem 7. auch im 8. Bezirk wieder die Ehre und der noch in letzten Stunden engagierte Markus Köhle reitet auf seinem Drahtesel ein. Nun muss es schnell gehen, ein paar Gäste auf den Bänken und die dem Slamplatz nächsten Tischgesellschaften des Schanigartens werden zur Jury bestimmt, eine Glücksfee zieht die erste Paarung und es geht gleich ganz herzhaft zur Sache mit Yasmin Hafedh vs. Markus Köhle.
Yasmo hebt an und ein erster Blitz taucht den Platz in ein furchterregend klares Licht. Sie bietet einen Brief an jenen Einbrecher dar, der ihr einst wenige Minuten von diesem Platze entfernt nicht wirklich etwas geraubt hat und den sie seither auf Slams zu finden versucht. Da fährt schon bei knapp der Hälfte des Textes der 13a vorbei und der gnadenlose MC Lend unterbricht der Beraubten Lamento.

Dann wagt sich Markus Köhle unter Donnergrollen in die Jodok-Fink-Arena und verortet sich in beeindruckender Manier auf dem ihn umgebenden Schauplatz. Jedes Detail wird von ihm ins Visier genommen, weder die Pestsäule noch die Schulen oder die Bäume sind vor seiner literarischen Betrachtung sicher und als die ersten Regentröpflein fallen bringt er ohne Busschnitt seinen Text zu Ende. Flink gevoted! Ein klarer Punktesieg für die Lokalmatadorin und ab mit Sack und Pack ins bereits reservierte Raucherzimmer des gnädigen Café Maria Treu, das sich sogleich bis aufs letzte freie Fleckchen am Boden füllt. Schnell sind die Bestellungen aufgenommen und während vor dem Fenster die Sintflut auszubrechen scheint geht Nina Malli
als erste in die zweite Vorrunde des Slams. Mit ihrem Text über die Heimat und ihre Ausbruchsversuche legt sie ihrem Kontrahenten
Matthias Vieider Einiges vor, dieser kontert mit herzhaft klugen literarischen Miniaturen und … gewinnt mit hauchdünnem Vorsprung, trotz frühzeitiger Unterbrechung durch den 13a, die nun per Handzeichen jedes einzelnen Zuhörers und jeder Zuhörerin erfolgende Wahl, da unser Jimi ja bekanntlich ein glühender Verfechter der basisdemokratischen Entscheidungsfindung ist. Nachdem die überaus aufmerksame und rücksichtsvolle Kellnerin mit ihrem Team die Getränke aufträgt und während auf dem eben noch sommerlich friedlichen Jodok-Fink-Platz ganze Baumstämme sturmentwurzelt vorbeifliegen stellt sich der Kosmonaut aus New York
den nach Poesie dürstenden Ohren und Augen der Cafehausgesellschaft und gibt vom Takt des Busses ununterbrochen Auszüge aus seiner deutschsprachigen Dichtung zum Besten. Schon sieht es nach einem Freilos für Kosmo aus, da steht völlig durchnässt, aber ansonsten marialob unverletzt, die Lavanttalerin
Melamar in der Tür und fordert ihr dichtend Recht mit solchem Schwung, dass sie locker ins Finale der besten Drei einzieht.
Nach einer kurzen Pause in denen die illustre Runde die regengekühlte Luft vor dem Café genießt und schon überlegt das Finale in nun wieder trockener Außenatmosphäre zu bestreiten, ergibt die Auslosung der bezaubernden Glücksfee Lina Madita die nämliche Reihenfolge wie im ersten Durchgang. Die Hafedh stürmt mit ihrer Gesellschaftsabrechnung ‚Milchkaffee‘ mutig voran, Matthias Vieeider zoggelt mit weiteren Miniaturen über Hirsche und Hyänen tapfer hintendrein und Melamar versucht mit ihrer Endreimorgie vom Wurm im Elfenbeinturm noch eines drauf zu setzen. Doch die Lokalmatadorin ist in ihrem eigenen Arrondissement an diesem Abend nicht zu schlagen und wird somit die erste Zweifachsiegerin des BusBimSlamspektakels.
Die Flasche Sekt als Ihr Siegespreis bleibt an diesem Abend unerbrochen, jedoch das von Jimi mitgebrachte Slammerfreibier, so gebietet es ihm sein Veranstalterethos, wird bis zum letzten Zug, von der nun nach der verbalen Auseinandersetzung wieder friedlich vereinten Slammerrunde, auf dem sturmgereinigten Platz unter freiem Himmel auf den die Blase Schützenden Wir Sind Wien Kissen, ausgetrunken.
Ein hoch! Auf die Championess die heute um 21:00 sicher noch keinen dritten Titel einfahren wird können, da sie daselbst die Schlacht leiten wird. Prosit!

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Über jimilend

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2 Antworten zu Maria Treu Schützt Ihre Slammers

  1. Diana schreibt:

    Was ist mit den Slammerinnen, werden dich auch beschützt?

    • jimilend schreibt:

      Natürlich schützt Maria Treu auch dich! und die Slammerinnen. Der Redakteur wußte wohl nicht das mann Fremdworte auch gendert. (thx 4 the hint!)

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